Gedenkaktion an Berthold Manzke

Anlässlich des 75. Todestages des Antifaschisten Berthold Manzke versammelten sich am 24.01. in Weißensee  13 Antifaschist_innen an „seinem“ Stolperstein in der Meyerbeerstraße. Der nun folgende Redebeitrag wurde auf dem Gedenken verlesen:

Ich begrüße euch alle recht herzlich im Namen der Ortsgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Weißensee/ Hohenschönhausen und der Antifaschistischen Initiative Nord-Ost (AINO). Zusammen haben wir dazu aufgerufen, heute dem Antifaschisten Berthold Manzke hier an seiner Wohnung an seinem Stolperstein anlässlich seines 75. Todestages zu gedenken.

Berthold Manzke, wurde am 28.10.1874 in Eventin in Pommern geboren, im gleichen Landkreis übrigens wie Franz Mehring. Manzke war von Beruf Metallarbeiter. Er war in der Gewerkschaft und in der KPD organisiert. Warum er aus Pommern weggezogen ist, lässt sich nur vermuten. Vielleicht aufgrund der Arbeit. Auch ob er Kinder hatte, wissen wir leider nicht.

Auch in Weißensee, das schon immer eher bürgerlich geprägt war, gab es Widerstand, gab es aktive Antifaschistinnen und Antifaschisten. Durch die Lage am Stadtrand und undogmatischere Arbeiterfunktionäre der linken Parteien war es in Weißensee am Ende der Weimarer Republik immerhin möglich, dass SPD`ler und KPD`ler zusammen den antifaschistischen Selbstschutz organisierten. So gab es sowohl im Wohngebiet rund um die Buschallee, als auch in der Genossenschaftssiedlung Grellstr. Absprachen zwischen sozialdemokratischem Reichsbanner und dem Ordnerdienst, dem Nachfolger des Rotfrontkämpferbundes der KPD. Nach 1933 gab es seitens der Kommunistinnen und Kommunisten und besonders seitens der Roten Hilfe beachtliche Aktivitäten im Widerstand. Am Abend des 30.Januars, des Abends der Machtübertragung an die Nazis, gab es, wie in ganz Deutschland, Demonstrationen der SA. In Weißensee trafen sie laut eines Augenzeuginnenberichtes von Ursula Fischer in der Weißenseeer „arme Leute Gegend“ der Gustav-Adolf Str. und Lehderstr. auf Widerstand. Die Demonstration der SA wurde mit so viel Müll und Dreck beworfen, dass sie ihre Demo abrechen mussten.  Diese, wie viele andere Aktionen, dürfen  aber nicht über die vernichtende Niederlage hinwegtäuschen, die die deutsche Arbeiterbewegung in diesen Jahren erlitt. Tausende linke Oppositionelle wurden verhaftet oder ermordet. Gewerkschaften, Parteien, die linke Presse, linke Turnvereine wurden zerschlagen oder von der neuen Regierung gleichgeschaltet. In dieser Zeit der Ohnmacht musste  jeder Schritt gut abgewägt werden, da er zur Verhaftung führen konnte. In dieser Zeit bauten die Genossinnen und Genossen in Weißensee eine illegale Ortsgruppe der KPD auf. Sie wurde in sechs Stadtteile gegliedert.

In einer dieser Gruppen, der Gruppe im „Französisches Viertel“,  war Berthold Manzke aktiv. Sie stellten antifaschistische Flugblätter und eine Zeitschrift namens „Der Antifaschist“ her und warben in den Betrieben und der Bevölkerung für ihre Sache. 1936 wurden in Weißensee dutzende Kommunistinnen und Kommunisten verhaftet. Es gelang der Gestapo jedoch nicht,  die Ortsgruppe vollständig zu zerschlagen. Auch Berthold Manzke wurde verhaftet und kam in Berlin-Moabit in Untersuchungshaft. Er wurde schließlich wegen Hochverrats zu 3 ½ Jahren Zuchthaus verurteilt. Diese Strafe musste er im Zuchthaus Waldheim in Sachsen absitzen. Heraus kam er jedoch nicht mehr. Er wurde von Nazis gefoltert und verstarb daraufhin am 24.1.1938. Heute erinnern dieser Stolperstein und ein Gedenkstein auf dem städtischen Friedhof Weißensee an ihn.

Es gibt genug Gründe für uns, sich wie Berthold Manzke zu engagieren. Auch heute gibt es noch Faschisten, was jedes Jahr z.B. in der Straßenbahnlinie M4, am Antonplatz und am Weißen See zu Übergriffen und rechten Schmierereien führt. So wurde z.B. im Herbst letzten Jahres an der Berliner Allee 83 eine Gedenkplatte, die an sieben zur NS-Zeit deportierte  Jüdinnen und Juden erinnert, entfernt. Auch gibt es hier an der Berliner Allee,  wie ihr sicher wisst, einen Laden der rechten Bekleidungsmarke „Thor Steinar“.

Nicht nur gegen Neonazis, sondern auch gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, gegen ein System und eine Gesellschaft, die heute wie damals die Verhältnisse schafft,  in denen Menschen wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Hautfarbe zusammengeschlagen, abgeschoben oder ermordet werden, gegen gesellschaftliche Zustände,  in denen es wieder vollkommen normal geworden  ist, Krieg zu führen (so dass sich scheinbar niemand mehr daran stört, wenn die deutsche Armee in Afghanistan, Mali oder in Syrien die angebliche „Demokratie und Freiheit“ Deutschlands und der EU verteidigen),  Widerstand zu leisten,  ist sinnvoll und richtig. Lasst uns zusammen in Weißensee und Hohenschönhausen dafür aktiv werden!

In diesem Sinne: Lasst uns zusammen heute hier Berthold Manzke gedenken, stellvertretend für all die Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer, die in den Konzentrationslagern, Zuchthäusern und auf der Straße ihr Leben gelassen haben!  Lasst uns den Millionen Opfern des deutschen Faschismus aktiv gedenken!

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

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