Homophobie ins Abseits stellen

Homophobie ins Abseits stellen

Infoveranstaltung: 21.06.12 | 20.00 Uhr | Bandito Rosso (Lottumstr.10a)

Seit einigen Jahren hat die Debatte über Fußball und Homophobie an Fahrt gewonnen. Diskutiert wird das Verhältnis des „Volkssports Nummer 1“ und der subtilen bis systematischen Diskriminierung von queer lebenden Menschen seither in vielen Zusammenhängen. Im politischen Kontext, in Medien und mittlerweile auch in immer mehr Fankurven. Doch warum wird ausgerechnet das Verhältnis von Fußball und Homophobie thematisiert? Hierzu sind mehrere Vorbemerkungen zu machen:

– Fußball ist entgegen vieler Interpretationen kein gesellschaftlicher Freiraum an sich. Fußball ist viel mehr ein gesellschaftlicher Teilbereich, der fest an gesellschaftlliche Normen und Wertvorstellungen gebunden ist.

– Fußball kann niemals unpolitisch sein. Als von Menschen gestalteter Raum ist er von gesellschaftlichen Verhältnissen dominiert und reproduziert diese. Gesamtgesellschaftliche Prozesse spiegeln sich auf den Plätzen, in den Vereinen und in den Fankurven wider. Der Versuch, Fußball als politikfreien Raum zu definieren ist deshalb mindestens naiv, wird jedoch häufig auch bewusst genutzt um patriarchale und chauvinistische Zustände zu zementieren und als vermeintliche Tradition zu romantisieren.

– Fußball ist ein weitgehend strukturkonservativer Raum, der heteronormative Menschen- und Männerbilder in besonderer Weise reproduziert. Dieser Umstand bedeutet in der Realität vieler Vereine das Ignorieren queerer Lebensweisen, in zahlreichen Fällen sogar die aktive Abgrenzung hiervon.

Fußball wird gerne als „letzte Bastion rückständiger Welt- und Menschenbilder“ bezeichnet. Diese Aussage ist in ihrer Absolutheit jedoch auch nicht haltbar. Vereine und Verbände merken zunehmend, dass sie sich in einer Gesellschaft, die sich queeren Lebensweisen gegenüber öffnet, weiterentwickeln müssen. Diese Erkenntnis mag pragmatisch sein, aber sie hilft den engagierten Personen und Gruppen vor Ort bei ihrer Arbeit. Initiativen wie „Fußballfans gegen Homophobie“ oder „Aktion Libero“, ein Zusammenschluss antihomophober Fußball-Blogger, sind prominente Beispiele. Immer mehr Vereine und Fanclubs beziehen Position, wobei die Wirksamkeit der gewählten Aktionsformen oft fragwürdig erscheint. Spätestens seit (Ex-)DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger vor
einiger Zeit begonnen hat sich als prominentesten Vorkämpfer für Fußball ohne Homophobie zu verstehen hat das Thema jedoch merklich Rückenwind erhalten.

Leider wird dabei noch zu häufig im den Kategorien des Profifußballs gedacht. Geradezu gierig wartet eine voyeuristische Öffentlichkeit auf das erste große Outing eines Profis und errechnet begierig, wie viele Homosexuelle statistisch betrachtet in der Bundesliga wohl mitkicken. Dabei fällt unter den Tisch, dass Fußball ein Breitensport ist, dessen Verhältnisse von der Basis her verändert werden müssen – also bottom-up und nicht top-down. Welche Anforderungen ergeben sich also beispielweise für den Jugendfußball, für die Ausbildung der TrainerInnen und SchiedsrichterInnen? Wird Homophobie, ähnlich wie Rassismus, auf dem Spielfeld bestraft und wenn ja, wie? Sind spezielle Sportvereine von Schwulen und Leseben für Schwule und Lesben ein Fortschritt, ein Rückschritt oder ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Sport ohne Diskriminierung? Ist eine Fankurve ohne Homophobie ein realistisches Ziel und wenn ja, wie ist es zu erreichen? Wie gestalten sich die Verhältnisse international?

Die Veranstaltung versucht anhand aktueller Beispiele einen Überblick über das Spannungsfeld von Fußball, Homophobie und Geschlechterbildern zu bieten und zu diskutieren, wie Sport im allgemeinen und Fußball im speziellen emanzipatorischer gestaltet werden können.

Eine Veranstaltung im Rahmen der „You’ll never walk alone…“-Reihe von Siempre Antifa und der Antifaschistischen Initiative Nord Ost [AINO]

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