Seidenstickers Traum von Großdeutschland

Lars Seidensticker (Quelle: pro-berlin.net)

Lars Seidensticker (Quelle: pro-berlin.net)

Der Eigentümerbund Ost (EBO) e.V. ist ein im Januar 2012 gegründeter Verein mit Sitz in Berlin, über den aufgrund seiner Neuheit noch relativ wenig bekannt ist. Allerdings wird bei der Beschäftigung mit dem Vereinsprogramm relativ schnell klar, dass es sich hierbei um eine Vereinigung von radikalen Rechten handelt, die offen revanchistische, geschichtsrevisionistische Forderungen vertritt. Am 17.02.2012 möchte der Verein eine Pressekonferenz abhalten. Da ihm kurzfristig der Raum im Mercure Hotel Berlin Mitte abgesagt wurde, soll die Veranstaltung ab 10:30 in den Räumen von „Pro Deutschland“ in der Allee der Kosmonauten 28 (Raum 515) stattfinden. Im folgenden Text sind einige Infos rund um den EBO e.V. gesammelt.

Informationen zum Eigentümerbund Ost e.V.
Das Vereinsmotto des EBO e.V. „Wir schaffen Gerechtigkeit“ klingt im ersten Moment nicht be-drohlich, bis deutlich wird, für wen hier Gerechtigkeit eingefordert wird. Im Kern geht es dem EBO e.V. um eine Durchsetzung von vermeintlichen Eigentumsansprüchen so genannter Vertriebener aus den ehemaligen Ostgebieten des Dritten Reiches. Somit werden fast 67 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Forderungen auf Gebiete im heutigen Polen oder Tschechien erhoben. Mit dem Hinweis auf die vermeintlich rechtswidrige Enteignung der ehemaligen deutschen Grundbesitzer nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft sollen die bestehenden Besitzverhältnisse, die völkerrechtlich ratifiziert sind, in Frage gestellt werden. Somit findet eine Umdeutung der Geschichte statt, indem versucht wird, die deutschen Vetriebenen zu Opfern des Krieges zu stilisieren und gleichzeitig die Gräueltaten der Nationalsozialisten gegenüber den nicht-deutschen Bevölkerungsteilen in den entsprechenden Gebieten zu verschweigen. Faktisch bewegen sich solche Forderungen eindeutig im Fahrwasser von NPD und Co.

Der EBO e.V. verfolgt somit eine jahrzehntelange Traditionslinie im revanchistischen Diskurs in der BRD. Da ist es auch wenig verwunderlich, dass es sich bei der vermeintlichen Neugründung lediglich um eine Wiedergründung handelt, mit der die rechtspopulistische Partei „Pro Deutschland“ versucht weitere Themenfelder der radikalen Rechten zu besetzen. Allerdings scheinen sie momen-tan noch relativ alleine dazustehen, denn trotz des einseitigen Schulterschlusses mit den Landmannschaften und dem Bund der Vertriebenen distanziert sich zumindest letzterer offen vom EBO e.V. So stellte selbst die, als stark konservativ und revanchistisch bekannte, BdV-Vorsitzende Erika Steinbach, welche jüngst die NSDAP als linke Partei bezeichnete, in einer Presserklärung klar, dass „keine Gemeinsamkeiten“ zwischen den Organisationen bestehen und sich der BdV vom „extremis-tischen Gedankengut“ des EBO e.V. distanziere.

Gleichzeitig wird deutlich, dass der Verein sich nicht allein mit dem Vorbringen der Forderungen zufrieden gibt, sondern ihnen auch Taten folgen lassen möchte. So sind Klagen gegen Polen und Tschechien geplant, um die vermeintlichen deutschen Gebietsansprüche juristisch durchzusetzen. Auch wenn solche Ansätze in der Vergangenheit eher von wenig Erfolg gekrönt waren, so stellen sie doch erhebliche Provokationen dar. Gleichzeitig soll im Frühjahr 2012 eine so genannte „Aufklärungskampagne“ in Polen gestartet werden, bei der mit zehntausenden Flyern und einigen Kund-gebungen über die „polnischen Verbrechen an deutschen Zivilisten“ aufgeklärt werden soll, wieder unter Vernachlässigung des nationalsozialistischen Terrors. Allein die Ankündigung einer solchen Aktion hat schon für eine erhöhte Medienaufmerksamkeit in Polen gesorgt und könnte womöglich die Beziehungen zwischen der BRD und Polen belasten. Neben diesen generellen Infos zu den Zie-len des Vereins lohnt sich allerdings auch noch ein Blick auf die zentralen Akteure.

Zu den einzelnen Akteuren des EBO e.V.

Alexander von Waldow (Quelle: news4press.com)

Alexander von Waldow (Quelle: news4press.com)

Der Ehrenpräsident des EBO e.V. Prof. Alexander von Waldow bewegt sich seit Jahrzehnten in rechten, revanchistischen Zusammenhängen in Deutschland. Als Nachfahre einer pommerschen Landadelsfamilie versucht er krampfhaft nicht nur die Rückgabe des ehemaligen Familienschlosses im polnischen Mierzecin zu erzwingen, sondern stellt im Namen der ehemaligen Bewohner der Ostgebiete des Dritten Reiches generelle Gebietsansprüche an die heutigen Regierungen. Dabei setzt er sich über geltendes europäisches Recht wie den Deutsch-Polnischen-Grenzvertrag hinweg und setzt auf eine klare Eskalation. In seinen geschichtsrevisionistischen Erklärungen und Forde-rungen beschreibt er beispielsweise Teile des polnischen Staatsgebietes immer noch als „rein deutsche Gebiete“ unter „Fremdverwaltung“.
Dass er seinen wirren Forderungen auch Taten folgen lässt, bewies von Waldow zuletzt als führendes Mitglied der „Preußischen Treuhand“. Dort war er maßgeblich an einer Klage dieser Organisa-tion gegen Polen am Europäischen Gerichtshof beteiligt, mit der vermeintliche Ansprüche der deutschen Vertriebenen gegenüber Polen durchgesetzt werden sollten, wobei die Klage 2008 für unzulässig erklärt wurde.

Der Präsident des EBO e.V. Lars Seidensticker ist ebenfalls kein Unbekannter in der radikalen Rechten in Deutschland, denn als ehemaliges Parteimitglied der „Deutschen Volksunion“ (DVU) verfügt er über jahrelange Kontakte in die organisierte Rechte. So steht er schon seit geraumer Zeit der „Landsmannschaft Ostpreußen“ nahe und vertritt seit mindestens 2008 selbst offen revanchistische Forderungen, indem er öffentlich die Rückgabe von Gebieten in Osteuropa an deutsche Vertriebene fordert.
Momentan ist Herr Seidensticker darüber hinaus noch als Landesgeschäftsführer der rechten Kleinstpartei „Pro Deutschland“ aktiv, mit der sich der EBO e.V. Ost auch das Büro und Kommuni-kationsstrukturen teilt. Das Kernthema dieser rechtpopulistischen Partei bildet eine kulturrassitisch geprägte Argumentation gegen alles „Fremde“. So wird im Parteiprogramm ein „Scheitern der multikulturellen Gesellschaft“ propagiert und eine grundsätzliche Angst vor „Überfremdung“ im „Einwanderungsland Deutschland“ geschürt. Dabei wird von „Pro Deutschland“ vor allem der Islam auf hetzerische Weise angegriffen, indem Muslime als per se „kriminell“ oder „integrationsunwillig“ und damit als Gefahr für die „deutsche Gesellschaft“ dargestellt werden.

Die engen Verstrickungen vom EBO e.V. mit „Pro Deutschland“ werden ebenfalls in der Person von Mario Kischkies offensichtlich. Neben seiner Tätigkeit als Schatzmeister des Vereins ist dieser ebenfalls im Ortsverband Treptow-Köpenick von „Pro Deutschland“ aktiv.

Fazit
Der EBO e.V. stellt somit einen Versuch von Lars Seidensticker dar, sich neben seiner verkorksten Kleinstpartei anderweitig politisch zu positionieren. Doch genau wie „Pro Deutschland“ wird sich auch der EBO e.V. als Lachnummer enttarnen. Allerdings braucht es dazu gemeinschaftliches antifaschistisches Engagement. Ein geeigneter Zeitpunkt dafür ist der 18.02.2011, wo es ab 11Uhr auf dem Antonplatz in Berlin-Weißensee einen Info-Stand von „Pro-Deutschland“ zum Thema „Raus aus dem Euro“ geben wird. Also, vorbei kommen und Lars Seidensticker mal persönlich die Meinung zu seinem neuen Verein sagen.

 

 

weiterführende Links und Quellen:

SF-Video zu Seidensticker: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=5974092d-db3f-449c-ab00-bc990f2225db

Eigentümerbund-Ost: http://www.eigentum-ost.de/
Pro-Deutschland und der EBO: http://www.pro-deutschland-online.de/index.php?option=com_content&view=article&id=453:zeitungsprojekt-beschlossen&catid=14&Itemid=2
PM des Bund der Vertriebenen zum EBO: http://www.bund-der-vertriebenen.de/presse/index.php3?id=1236
„die Welt“-Artikel über Alexander v. Waldow: http://www.welt.de/print-wams/article114825/Kampf_um_das_Erbe_in_Polen.html
Infos zu Alexander v. Waldow: http://www.news4press.com/Professor-Alexan_389241.html
Artikel der „Märkische Oderzeitung“ zur „Preußischen Treuhand“:http://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1009147/

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