12.Juli 2011: 90.Geburtstag von Peter Edel

Transparent am Kreiskulturhaus Peter Edel - "Peter Edel, Antifaschist - 90.Geburtstag 12.Juli 2011"

Transparent am Kreiskulturhaus Peter Edel - "Peter Edel, Antifaschist - 90.Geburtstag 12.Juli 2011"

Am 12. Juli 2011 wäre der Berliner Antifaschist und KZ-Überlebende Peter Edel, 90 Jahre alt geworden. Deshalb veranstaltete die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA Weißensee-Hohenschönhausen) in Zusammenarbeit mit der Antifaschistischen Initiative Nordost (AINO) an diesem Tag eine Gedenkkundgebung vor dem ehemaligen Kreiskulturhaus in Berlin Weißensee, das seit 1984 den Namen Edels trägt. Allerdings handelt es sich momentan beim „Peter Edel“ weniger um einen Ort aktiver, antifaschistischer Gedenkpolitik, sondern mehr um einen Sanierungsfall, der vom zuständigen Bezirk Pankow dem Leerstand und Verfall preisgegeben wird. Dementsprechend sollte die Kundgebung auch ein Zeichen für eine Neunutzung des Gebäudes im Sinne einer offenen und nicht-kommerziellen Kulturpolitik setzen.

Trotz des frühen Beginns um 10Uhr morgens war die Kundgebung gut besucht und die fast 40 Teilnehmer_Innen konnten bei strahlendem Sonnenschein ein Kreiskulturhaus bewundern, das dem Anlass entsprechend mit zwei Transparenten am Dach geschmückt war, die an Peter Edel erinnerten und den Leerstand des Gebäudes anprangerten. Zusätzlich waren in der Umgebung noch zahlreiche Gedenkplakate geklebt worden und während der Kundgebung wurden Flyer an die überwiegend interessierten Anwohner_Innen verteilt.

Peter Edel – Jude, Antifaschist und Künstler
Nach einem kurzen musikalischen Einstand begannen die Redebeiträge, wobei zuerst das Leben und Wirken Peter Edels im Mittelpunkt stand. Als jüdischer Kommunist wurde er zur Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und aufgrund seiner Widerstandstätigkeit 1943 verhaftet. Anschließend war er Insasse der Konzentrationslager Auschwitz, Sachsenhausen und Mauthausen. Im Frühjahr 1945 erlebte er im Lager Ebensee (Österreich) die Befreiung.
Seitdem wirkte er als Maler und Grafiker, vor allem aber als Schriftsteller und Publizist – zunächst in Wien, dann in Berlin. Sein künstlerisches Schaffen und sein journalistisches Wirken wurden besonders durch seine leidvollen Erfahrungen mit dem Faschismus und vom Kampf gegen jeglichen Neonazismus geprägt. Davon zeugen seine Romane und Erzählungen, namentlich vor allem der Fernseh-Vierteiler „Die Bilder des Zeugen Schattmann“, der ein Stück filmischer Selbstbiographie darstellt. Am 7. Mai 1983 ist Peter Edel in Berlin gestorben und fand auf dem Friedhof der Sozialisten in Friedrichsfelde seine letzte Ruhestätte. Im Frühsommer 2011 verstarb auch seine Witwe, die Dramaturgin Helga Korff-Edel.

Für ein aktives antifaschistisches Gedenken
Anschließend gab es einen Redebeitrag über die Schwierigkeiten eines angemessenen antifaschistischen Gedenkens, da gerade im Ostteil Berlins seit der Wiedervereinigung die Namen zahlreicher Antifaschist_Innen, die vorher Straßen, Plätze oder Gebäude zierten, aus dem Stadtbild verschwunden sind. Ein solches Vorgehen belegt eindrucksvoll die staatliche Ignoranz gegenüber dem wichtigen Thema des antifaschistischen Widerstands. Beinahe wäre auch das „Peter Edel“ Anfang der 90er Jahre Opfer einer solchen Geschichtstilgung geworden, was jedoch aufgrund eines starken bürgerlichen Widerstandes verhindert werden konnte (Berliner Zeitung: Der Name Peter Edel verschwindet (15.09.2000)).
Gerade aufgrund der Geschichten und der Überzeugung, die sich hinter diesem Namen verbergen, ist es nicht hinnehmbar, dass das Kreiskulturhaus noch immer verfällt. Aus diesem Grund freuten sich die Anwesenden auch besonders über die Grußbotschaft von Paul Woods vom Künstlerverein Wallywoods, der das Kreiskulturhaus „Peter Edel“ als letzter Nutzer bis 2010 mit Leben gefüllt hat und den Kundgebungsteilnehmer_Innen seine Solidarität aussprach (s. http://de.indymedia.org/2010/11/294373.shtml). Danach gab es weitere Grüße von einer Weißenseer Initiative, den Orphs, die im Frühjahr 2011 die nahe Musikschule besetzt hatten (mehr Infos unter: http://orph.blogsport.eu/). Sie wollten auch etwas zu leerstehenden Immobilien im Bezirk und dem Verwertungswahnsinn des Berliner Liegenschaftsfonds sagen, der sich bei seiner Arbeit größtenteils an den zu erwartenden Profiten und nicht an den Bedürfnissen der Anwohner_Innen orientiert.

Antifaschismus ist und bleibt wichtig
Den Abschluss bildete ein Redebeitrag zu den jüngsten Neonazi-Aktivitäten im Kiez und in Gesamtberlin, der ein weiteres Mal verdeutlichte, dass zu einem antifaschistischen Gedenken auch ein entsprechendes Handeln im Alltag gehört, um den Nazis Spielräume zu nehmen und so gerade das Leben in den Berliner Randbezirken alternativ und bunt zu gestalten. Nach diesem Motto klang dann auch die überaus gelungene Kundgebung nach einer Stunde bei lockerer Musik langsam aus und die Teilnehmer_Innen, die sich aus unterschiedlichsten Altersklassen zusammensetzten, machten sich auf den Weg nach Hause oder zur Arbeit.
Interessant war allerdings die hohe Anzahl an zivilen Polizeibeamten, die das Geschehen interessiert aus einem Auto von der gegenüberliegenden Straßenseite beobachteten, während ihre Streifenkolleg_Innen eher die Nähe einer schattigen Bank suchten. Die Frage, wer kurz nach Ende der Kundgebung die Transparente vom Dach entwendet hat und alle Plakate zu Peter Edel im näheren Umkreis entfernt hat, dürfte damit wohl allerdings auch geklärt sein…

 

Fotos: http://www.flickr.com/photos/noktalia/sets/72157627177515578/

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